© erlebe.bayern – Peter von FelbertDer Steilgänger
Die bekannteste Bergwanderung vor seiner Haustür heißt Steinbocktour. „Ein perfekter Name“, weiß der Bergführer Bernd Zehetleitner. „Denn dass man da Steinböcke zu sehen bekommt, ist fast garantiert. Wir als Bergführer wissen natürlich, wo die sind, und gehen auch mal einen Umweg. Da stehen dann 30, 40 Steinböcke nebeneinander, und man kann nahe rangehen.“ Fünf Tage dauert diese Tour durch die Allgäuer Alpen. Übernachtet wird auf Hütten. Das ist selbst für Bernds einheimische Wandergäste oft das erste Mal. Denn es sei keineswegs so, dass die Allgäuer generell die Hütten ihrer Umgebung kennen würden, weiß der Geschäftsführer der ältesten Bergschule Deutschlands. „Manche waren noch nie auf ihren heimischen Bergen“, sagt er augenzwinkernd. „Allgäuer sind nicht automatisch auch Bergsteiger.“
Immer mehr Allgäuer Gäste
Auch auf dem Heilbronner Weg bei Oberstdorf, dem ältesten alpinen Wanderweg in den Nordalpen, seien „wahrscheinlich mehr Leute aus Frankfurt oder München unterwegs als aus Sonthofen“. Doch immer öfter melden sich doch Menschen aus der direkten Umgebung bei der Bergschule Oberallgäu für eine Tour an. „Gerade bei schlechter Sicht hilft ein Bergführer sehr. Er kennt den Weg, er weiß bei schwierigen Passagen, wo man hintreten kann, und hat zur Not ein Seil dabei.“
„Unsere wunderbare Erholungslandschaft gibt es wegen des Tourismus, nicht für ihn“
Außerdem könne man ein paar Gipfel einbauen, wenn die Gruppe fit ist. Andere Gäste buchen direkt eine Gipfeltour. Die Trettachspitze zum Beispiel. Sie trauen sich das schmale Felshorn alleine nicht zu, möchten aber als Allgäuer einmal im Leben auf diesem markanten Berg gestanden sein. Am Gipfelkreuz angekommen, fällt dann – egal ob auf der Trettachspitze oder auf einem anderen Aussichtspunkt – regelmäßig die Frage nach den 200 anderen Gipfeln, die man rundum im Allgäu sieht. Und Bernd? Kennt sie alle.
© erlebe.bayern - Peter von FelbertDer 52-Jährige freut sich über Gäste aus der Region. Denn die haben die Berge vor der Haustür und können daher den Entschleunigungseffekt genießen. Das sei doch ein sehr nachhaltiger Urlaub mit viel weniger Stress, findet der Bergführer. „Wenn ich woanders hinfahre, geht so viel Zeit schon durch Autofahrerei und Parkplatzsuche verloren. Aber wenn ich ein paar Tage in meinen eigenen Bergen wandere und einen Sonnenuntergang vor der Hütte erlebe, dann komme ich zur Ruhe. Dann ist das Aktivurlaub zum Abschalten.“
„Das war gigantisch!“
Bernd ist überzeugt, dass man in den Bergen viel fürs Leben lernen kann. Und das vermittelt er seinen Gästen, ob sie nun aus Sonthofen kommen oder aus Sydney. „Die Berge zeigen dir, dass du dein Ziel erreichen kannst, auch wenn es mühsam ist. Aber auch, dass man manchmal umdrehen muss, und dass das keine Niederlage ist.“ Am Ende der Touren sind oft gerade die einheimischen Gäste beeindruckt: „Das war ein gigantisches Erlebnis“, diesen Satz hört er oft. Und gerne. Wenn er dann nach einer Tour im Biergarten sitzt und in die Landschaft sinnt, dann wird ihm auch eines immer wieder klar: „Ohne Tourismus sähe es im Allgäu sehr spärlich aus. Wir hätten eine große Landflucht, und als Folge daraus ginge unsere schöne Kulturlandschaft verloren. Denn die Weiden würden verbuschen ohne Kühe, die dort grasen. Es gäbe keine Hütten, keine Seilbahnen, kein Skifahren. Die Wanderwege wären überwuchert. Man muss das ganz klar sehen: Unsere wunderschöne Erholungsund Kulturlandschaft gibt es nicht für den Tourismus, sondern wegen des Tourismus.“ Auch darüber redet Bergführer Bernd manchmal mit seinen Gästen, wenn sie wieder zurück sind von den Steinböcken oder von der Trettachspitze. Die nicken dann überrascht: Wer hätte das gedacht!
Mehr Informationen über Bernds Arbeit findest du hier.
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