© Andreas Weise„Am liebsten mag ich Quereinsteiger“
Ben, du bist als Hotelier früh in das Thema Nachhaltigkeit eingestiegen. Wie kam das?
Unser Hotel Luise in Erlangen ist ein Familienbetrieb in dritter Generation. Schon meine Eltern waren in der Branche als grüne Spinner bekannt. Unser Slogan hieß damals „Natürlich verwöhnen wir unsere Gäste“. Als ich dann mit 25 Jahren das Hotel übernahm, wollte ich die Richtung nicht nur beibehalten, sondern noch tiefer in das Thema Nachhaltigkeit einsteigen. Als Hotelier will ich überall anpacken und mitgehen, das ist für mich wie ein großer Spielplatz, wo ich meine Ideen umsetzen kann. Sichtbar ist das zum Beispiel in unserer Lobby an der „Wall of Change“, wo wir die über 230 Nachhaltigkeitsmaßnahmen dokumentiert haben, die wir bereits umgesetzt haben. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Gäste und Mitarbeitende für das Thema zu motivieren und zu inspirieren.
Wie inspirierst du dein Team?
Für mich ist vieles selbstverständlich, was anderswo vielleicht nicht so üblich ist. Zum Beispiel der offene, ehrliche, faire und wertschätzende Umgang miteinander. Bei uns gibt es flache Hierarchien und viel Entscheidungsfreiraum. Ich mag es, wenn Mitarbeitende Persönlichkeit zeigen. Ganz gleich, ob sie nun total tätowiert sind oder mal mit einem Witz anecken oder für ihren flapsigen Ton so geliebt werden, dass sich die Gäste noch lange an sie erinnern. Ich versuche aber auch, über intrinsische Motivation zu gehen und den Menschen ein Gefühl zu geben, was sie hier Sinnstiftendes machen. Indem wir so nachhaltig agieren, haben sie auch ein Ziel vor Augen. Eines, bei dem es nicht nur um einen selbst, sondern auch um die Zukunft geht. Ich bekomme auch oft stolze Rückmeldungen von Mitarbeitenden, wenn sie von Bekannten auf ihren Arbeitsplatz und die gelebte Nachhaltigkeit angesprochen werden.
Der Arbeitskräftemangel im Tourismus ist groß. Wie findest du trotzdem Mitarbeitende?
Ich bevorzuge mittlerweile Quereinsteiger und bin damit sehr happy. Zu uns kommen Leute, die etwas gegen den Klimawandel unternehmen und das Thema Nachhaltigkeit vorantreiben wollen. Bei uns melden sich viele Initiativbewerber, die oft viel höher qualifiziert sind, als es für die Stellen nötig wäre. Es spricht sich halt herum, wenn man ein guter Arbeitgeber ist. Ich biete außerdem faire Kleidung, Festanstellungen mit fairer Bezahlung, bis zu 100 Prozent BAV-Arbeitgeberanteil, vergünstigte Bus- und Bahntickets, Einbindung in handwerkliche Projekte, Fortbildungen, konsequentes Vermeiden von Überstunden und immer ein offenes Ohr für private Herausforderungen.
Ein Kurz-Interview mit Ben hörst du im Video unten.
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